Nordmazedonien – die Faszination des Unbekannten 

Vom grauen unscheinbaren Entlein zum strahlenden faszinierenden Schwan  

Nordmazedonien, für uns ein unbekanntes Land. Ohne persönlichen Bezug, ohne Referenz, ohne Empfehlung, nicht auf unserer Liste. Ein Land klein, dazwischen und schnell zu übersehen. Doch ist es nicht so oft das Unscheinbare, das Kleine, was einen großen Unterschied – in unserem Fall, ein tolles Erlebnis bereitet?! 

Nordmazedonien ist auf jeden Fall einen Ausflug, eine Reise wert. Auch wenn wir nur mal „reinschnuppern“ konnten, hat uns der Duft der Natur, des Essens, die Freundlichkeit der Menschen sowie die Faszination an Kultur und Geschichte verzaubert, ja regelrecht in ihren Bann gezogen. Auf der nächsten Reiseliste in diese Gegend wird Nordmazedonien auf jeden Fall nicht fehlen. 

Ende September kamen wir auf einem, direkt am Ohridsee gelegenen, #Campingplatz in #Nordmazedonien an. Der Ohridsee ist einer der ältesten Seen der Erde. Viele kleine, familiär geführte Campingplätze verteilen sich rund um den See. Hier existieren keine großen Tourismusmassen – bisher! Denn überall stehen die Baukräne. Neue und große Komplexe befinden sich im Aufbau. Von den Einheimischen, mit denen wir uns unterhalten haben, kommen viele kritische Stimmen und auch Organisationen werden lauter und warnen vor einem Massentourismus. Denn dieser könnte und wird dem noch sehr naturbelassenen See und Ufern schaden.  

Vom Nachhaltigen Reisen haben mehr etwas 

Irgendwie sind wir auch ein Teil des „Problems“. Wir, die wir uns mehr als Reisende statt Touristen verstehen, dringen genauso in fremde Kulturen, in geschützte Räume ein und nehmen uns den Raum, den wir wollen, optimalerweise nur den, den wir brauchen. Es gibt viele Menschen, die sich mit #nachhaltigem Reisen beschäftigen. Dabei steht zumeist vor allem der Schwerpunkt auf #veganen Essen und #Müllvermeidung. Zwei essenzielle Themen. Doch neben der ökologischen Nachhaltigkeit ist für uns auch die soziale- und kulturelle Nachhaltigkeit von großer Wichtigkeit. Für uns bedeutet dies stets nur den Raum einzunehmen, den wir wirklich benötigen. Diesen möchten wir mit Rücksicht auf die Umgebung und die Kultur und Natur nehmen. Mehr (er)leben und vor allem das Authentische gelingt uns mehr durch die Interaktion mit Einheimischen als „nur“ für uns vor Ort zu sein.

Doch nicht nur in Bezug auf das Zielland ist Nachhaltigkeit wichtig, sondern auch innerhalb der Reisegemeinschaft, in unserem Fall der Familie. Dies ist ein Prozess voll mit „Trial and Error“, „Mediationen“ und erfolgreicher Meilensteinerreichung, aber auch roten Ampeln. Es ist Arbeit zu beobachten, auszutesten und zu entscheiden. Offenheit, Neugier und Kompromissbereitschaft – all das und noch viel mehr sind Komponenten, die es benötigt um als Reisegemeinschaft nachhaltig zu reisen. Wie wir das als Familie mal mehr und mal weninger geschafft haben, beantworte ich sicherlich mal an anderer Stelle.

Die Natur als liebster Spielplatz 

Wir haben es genossen den Tag am See zu verbringen, einen kurzen Ausflug nach #Struga zu machen und die einheimischen Tiere zu beobachten und auch zu spüren – die Kleine wurde von einer Biene gestochen. 

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Vielfalt der Tiere, die uns wortwörtlich über den Weg gelaufen ist. Insbesondere bei unserem Nachtspaziergang. Einem Slalom gleich ging es für uns um Kröten und Krebse herum. Immer in der Hoffnung nicht doch mal auf eine Schlange zu treten aber gleichzeitig neugierig dieser in ihrem natürlichen Umfeld zu begegnen.  

Auch am Tage waren die Kinder damit beschäftigt zu entdecken. Ob es direkt am See war um die Unterwasserwelt zu erkunden oder nach Schlangen und Krebsen Ausschau zu halten, es gab immer etwas zu tun. Es braucht keine externe Bespaßung, keine Spielgeräte oder ähnliches … die Natur bietet von allem etwas und das in einer nachhaltigen Art und Weise.  

Verantwortung für Tiere und Pflanzen zu erlernen – zu viel Liebe und Interesse kann schaden 

Das spielen in der Natur erfordert ebenfalls nachhaltiges Handeln und Verantwortungsbewusstsein. Denn weder Tiere noch Natur sind Spielzeug. Alle Lebewesen haben ein Recht auf Selbstbestimmtheit und Unversehrtheit. Entdecken und untersuchen erlaubt, anfassen und mitnehmen nicht erwünscht. Doch das ist ein Lernprozess. Zumeist überwiegen die Neugier und das Interesse. Die Dinge wollen von den Kindern mit möglichst vielen Sinnen erfasst werden. Oft zum Nachteil von den Objekten von Interesse. So kam es auch vor, dass wir krabbelnden Besuch im Auto hatten oder ein Insekt das Interesse und die Liebe der Kinder nicht unbeschadet überstanden haben. Der Prozess und unseren aktuellen Stand dazu, wie wir einen Weg für uns zwischen Werten und Gewissen gefunden haben, teilen wir später. 

————– 

Struga – ein Ausflug in die Zivilisation 

Da das Interesse der Kinder ihren riesigen Spielplatz, die Natur, gegen eine Asphaltwüste einzutauschen verschwindend gering war, nutze ich die Chance Struga allein zu erkunden. 

Statt des erwarteten Freiheitgefühls übernahm die Gewohnheit die Überhand und suggerierte mir, dass „irgendetwas bzw. jemand fehlt, ich etwas vergessen habe“. Wo sind die kleine Hand und das laute Geschrei – welches mich die letzten Monate fast durchgehend begleitet hat.

Durchatmen, Perspektivwechsel und dann das Genießen … ich kann in meinem Tempo dorthin gehen, wo ich hinmöchte. Ich kann in Läden reinschauen und sie sogar betreten, ohne immer wieder mit dem Wunsch des Gehens konfrontiert zu werden. Ich kann einen Eisladen streifen ohne lange Erklärungen, warum Eis kein geeignetes Mittagessen ist. Ich kann entspannt am Fluss sitzen ohne die angespannten Muskeln, jederzeit bereit mich in die Fluten zu stürzen, um die Kinder vor dem Ertrinken retten zu müssen. Dieser Perspektive folgend verging der Nachmittag sehr schnell und mit viel Energie, und natürlich kleinen leckeren Mitbringseln, kehrte ich zurück in das Setting, welches wir für das Jahr gewählt haben und in den meisten Momenten in vollen Zügen genossen haben.

Rückblickend auf einige solcher Begebenheiten, bin ich immer wieder überrascht wie schwer mir es doch fällt mir meinen Bedürfnisse bewusst zu werden und im nächsten Schritt diese auch zu befolgen. Als Mutter bin ich teilweise so sehr auf die Bedürfnisse der Kinder konzentriert, dass es mir schwer fällt zu unterscheiden, ob ich das jetzt getan habe, weil ich es wollte oder um wieder ein Bedürfnis der Kinder zu befriedigen. Dies ist ein wichtiger Aspekt für ein nachhaltiges Reisen als Famile. 

Der Aufenthalt als Rückblick 

Ob ich momentan gerade gern da wäre – definitiv ja! Die #Natur, insbesondere am Morgen direkt nach dem Aufstehen die frische Luft einzuatmen und auf den See zu blicken – das hat etwas sehr Beruhigendes – ein Gefühl der #Freiheit. 

Vertrauen bringt Leichtigkeit 

Gleichzeitig gab es dort bereits ein Gefühl des Druckes. Denn wir hatten einen Termin gemacht, waren nicht mehr so frei in unseren Entscheidungen, konnten uns nicht mehr wie gewohnt treiben lassen. Nun mussten wir entscheiden, was wir noch sehen wollen und können, und was wir auslassen müssen. Das Gefühl, dass wir etwas verpassen könnten, erfasste uns, denn es gab diesen Termin mit der Fähre, die uns weg vom Balkan bringen sollte. Volle Pläne wurden ausgedünnt, Ziele wieder gestrichen … denn aus dem entspannten sich treiben lassen wurde ein durchgeplantes und stressiges Reisen.

Wir brauchten einige Anläufe von planen, buchen und absagen, bis wir verstanden haben, dass wir darauf #Vertrauen müssen das zu sehen und zu erleben, was in diesem Moment für uns wertvoll zu erfahren und erlebenswert ist. Auch wenn wir mal nicht die Sehenswürdigkeiten, die „man gesehen haben sollte“ besucht haben, haben wir immer etwas erlebt, was bleiben wird! Dafür sind wir sehr sehr dankbar!

Hinterlasse einen Kommentar