Gen Osten ging es weiter auf unserer Route.
Dem Gefühl eine Stimme und Stimmrecht geben
Eigentlich wollten wir einen Tag Verona und/oder Venedig machen…zumindest dachten wir, dass wir das wollen. Phrasen und Sätze wie: „Das muss man gesehen haben“, „wenn ihr einmal da seid“, „das ist bestimmt spannend für die Kinder“, … und wir haben uns geglaubt…nur sollte man nicht alles glauben, was man denkt. Als wir die Tage verplant und nie Verona drin vorkam und wir die Route an Venedig vorbei planten, merkten wir, dass wir eigentlich gar nicht mit den Kindern in der Hochsaison in die Stadt wollen. Ja klar „verpassen“ die Kinder etwas … aber die Frage ist was sie ansonsten verpassen würden und wie viel Spaß wir alle bei so einem Stadtbesuch hätten. Somit hörten wir auf unser Gefühl und ließen es alles andere überstimmen. Wir werden immer etwas verpassen, aber dafür etwas anderes erleben…
Also ab ans Meer…
Und so machten wir uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel. Als Zwischenstopp wählten wir einen Strand an der Adria. Alles schien so unwirklich und unnatürlich. Angebaut für die vielen Touristen, die ihren wohlverdienten Urlaub gern im Sand, am Meer mit guter Infrastruktur verbringen wollen. Die Kinder haben es allerdings geliebt…ein Spielplatz, ein riesiger Strand und das Meer.



Nach erschöpfenden vier Stunden stiegen wir wieder ins Auto und in Kürze erreichten wir das Agrocamping von Federico.
Er begrüßte uns herzlich und wies uns einen Platz auf der Wiese nahe dem Pool und den Toiletten zu. Alles war sehr natürlich, offen und naturnah gehalten … so ganz anders als das, was wir gerade am Meer erlebt haben. Eine große Tafel stand gedeckt bereit für das Abendbrot für die Campinggäste … Federico hatte gekocht: Pasta, Vorspeisen und Nachspeisen mit viel Wasser, Saft und Wein als flüssiger Begleiter. Eine lange Tafel voller unbekannter Personen aus allen möglichen Ländern, die alle eines gemeinsam hatten: das Campen.
Es war sooo schön! Wir saßen neben einem französisch-spanischen Pärchen und philosophierten über den Sinn des Lebens. Es war ein toller Abend und ein schöner Start von zwei entspannten Tagen in der Natur.




Sinnvolles Tun ist sinnlos wenn der Sinn nicht der Richtige ist
Im Mittelpunkt des nächsten Tages stand die Regeneration und das „nichts sinnvolles Tun“. Letzteres kommt mir immer wieder in den Sinn…sollten wir nicht was sinnvolles tun? Heute wieder nichts geschafft….und als mich diese Gedanken mal wieder überkamen und ich überlegte wie ich heute noch irgendwie meinen Teil beitragen könnte etwas „sinnvolles“, produktives zu tun, kam mein Großer vom Baden und Tiere streicheln (wir waren zu der Zeit auf einem Bauernhof) im Hüpfeschritt zu mir mit einem breitem Grinsen im Gesicht : “ Mama“, rief er schon von Weitem,“Das ist das allerbeste Leben auf der ganzen Welt.“ Ja, und das ist es…es muss nicht das „übliche“ sein. Es ist wichtig sich mutig dem eigenen Weg bewusst zu werden und diesem zu folgen.
Zurück zum Tag…wir wechselten zwischen im Pool baden, spielen und vorlesen hin und her. Am Abend gönnten sich die Erwachsenen einen Wein und zwei belegte Brote mit Schinken. Letzteres war eher Theorie, weil die Kleine mit ihrem Charme uns die Brote aus den Rippen leierte. Also doch nur Alkohol für uns 😜









Naturerlebnis
Am nächsten Tag kam unser Tatendrang durch, und wir beschlossen einen kleinen Ausflug zu machen zum nahegelegenen Biotop. Biotop…was war das denn noch einmal…Federico erklärte uns was dieses Gebiet so besonders machte. Vor vielen Jahren erreichte Gletscherwasser die Gegend. Sie spülte viele Samen aus den Bergen und anderen Gebieten mit. Diese, für das Tiefland eher untypischen Pflanzen, fingen an zu wachsen und bilden nun ein großes, mittlerweile geschütztes Gebiet. Leider waren seit dem letzten Sturm einige Schäden entstanden und bisher noch nicht repariert. Daher gab es auch keine Führungen. Aber mit den Tipps und Hinweisen von Federico machten wir uns allein auf den Weg. Wir fanden eine 400 Jahre alte Eiche, viele viele Grashüpfer und Frösche und eine Vielfalt von Pflanzen. Wir statteten die Kinder mit ihren Outdoorforschersachen aus und sie waren trotz Mittagshitze (wir sind einfach morgens sehr langsam) super interessiert und sehr traurig als wir durch waren.







Was willst du später werden…
…das fragte ich den Großen und mit leuchtenden Augen antwortete er mir: “ Natürlich Forscher, deswegen untersuchen ich doch hier alles“. Schön, dass er seinen Ineressen bewusst ist und diesen folgt. Auf die Frage wie ich ihn unterstützen könnte, war die Antwort, dass ich seine Assistentin sein könnte. Naja um ehrlich zu sein habe ich nie davon geträumt Frösche zu fangen 🙄 – aber für das Kind rette ich auch gern mal irgendwelche Insekten und Amphibien. Zur Vollständigkeit: Die Kleine möchte Polizistin werden. Aber beide wollen hoffentlich „glücklich“ werden…zumindest hören wir dank der Kleinen das Lied „Glücklich“ von Dikka im Auto hoch und runter….hoffentlich bleibt etwas hängen.



Auf dem Rückweg kamen wir an einer Community vorbei, die Wert auf Nachhaltigkeit und ein Zusammensein auf Augenhöhe legen…richtig toll wie viele Menschen sich zusammentun und gemeinsam etwas bewirken. Dank workaway stoßen wir immer mal wieder auf solche Menschen. Sehr inspirierend…mal sehen was aus diesen Impulsen noch entsteht….
Den Nachmittag verbrachten wir wieder mit Pool und Wein 😀 und bereiteten alles vor, um am nächsten Tag früh starten zu können, gen Slowenien…




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